Lange war es es hier ruhig und das aus gutem Grund: Wir haben uns auf die Familienplanung konzentriert. Erfolgreich. Und dann war ich erstmal damit beschäftigt, das erste Trimester der Schwangerschaft irgendwie zu überstehen.
Im Dezember haben wir erfahren, dass es geklappt hat und wir Eltern werden. Und damit begann bei uns, wie bei den meisten werdenden Eltern, eine spannende Zeit. Nach der ersten Freude war das 1. Trimester für mich allerdings kein Zuckerschlecken. Inzwischen bin ich schon in der 24. Woche, deswegen lohnt sich ein Blick zurück auf diesen Abschnitt.

Wie vermutlich jede Frau hatte ich die Hoffnung, dass ich von den schlimmsten Schwangerschaftsbeschwerden verschont bleibe. Es kam natürlich nicht so. Anfangs war die Übelkeit auszuhalten, bald war es aber so schlimm, dass gar nichts mehr ging. Mein Kreislauf war komplett dahin, ich hatte ständig Herzrasen und mir war ohne Unterbrechung schlecht. Im Prinzip pendelte ich wochenlang nur zwischen Bett, Toilette und Sofa. So schlimm hätte ich es mir tatsächlich nie ausgemalt. Wer schon mal das Novo-Virus hatte und sich im 15 Minuten Takt übergeben musste, kann das vielleicht nachvollziehen. Da geht es einem die ersten 5 Minuten nach dem Erbrechen erst etwas besser bis man wieder merkt, wie sich die Übelkeit erneut aufbaut und man weiß, dass es gleich wieder los geht. Prinzipiell hatte ich auf dem Höhepunkt der Schwangerschaftsübelkeit dauerhaft das Gefühl, welches man etwa 30 Sekunden vor dem Loskotzen hat. Nur eben Wochen ohne Unterbrechung.

In der Zeit war es schwer sich über die Schwangerschaft zu freuen, weil man eigentlich nur will, dass es einem wenigstens für eine Stunde mal etwas besser geht. Leider weiß man auch, dass es den meisten Frauen eben erst nach der 12. Woche, also wenn das erste Trimester vorbei ist, besser geht. Wenn man Glück hat. Sonst geht’s eben so weiter. Trösten tut einen die Hoffnung auf Besserung aber auch nur minder, wenn man weiß, dass dieser Zeitpunkt noch mehr als einen Monat entfernt ist.

Hinzu kommt auch der Stress von außen. Ich konnte nicht mal selber Wasser kochen, weil mir selbst vom Geruch von warmem Wasserdampf noch schlechter wurde. Arbeiten ging natürlich nicht, sodass ich einen ganzen Monat krank geschrieben war und so gezwungen war sehr früh von meiner Schwangerschaft zu erzählen, was nicht gerade für Begeisterung sorgte. Im Nachhinein bin ich aber, trotz all dem Stress, der daraufhin auf mich einhämmerte, froh, dass meine Arbeitsstelle früh Bescheid wusste, weil ich so nicht Ausreden erfinden und tun musste, als wäre alles super.
Generell bin ich unendlich dankbar und froh, dass mein Freund sich in der Zeit um alles gekümmert hat. Er hatte ja aber auch keine Wahl. Wir teilen die Aufgaben bei uns sonst komplett auf und gar nichts mehr machen und eben nicht helfen zu können, hat mich innerlich zusätzlich sehr gestresst, weil man plötzlich nur noch Last ist und Aufgaben verteilt. Das fiel mir schwerer als gedacht und hat mich belastet.

Auch sonst war das erste Trimester ehrlich gesagt absolut kein Spaß. Durch die Schwangerschaft habe ich aktuell eine leichte Schilddrüsenunterfunktion und bekam gleich Tabletten dafür. Dann bekam ich mitten auf dem Kopf auch noch kreisrunden Haarausfall. Mir brach ein Zahn ab. Meine Haare wurden gleich nach dem Waschen strähnig und wieder fettig. Meine Haut rastete komplett aus und ich bekam Akne wie zum Höhepunkt der Pubertät. Und diese Brüste. Meine Brüste taten so unendlich weh, dass ich nur noch Sport-BHs tragen konnte, die aber auch immer tragen musste. Nachts bin ich beim Umdrehen vor Schmerzen wachgeworden. Worauf einen auch niemand vorbereiten kann ist die Müdigkeit. Die hat mich nämlich immer ganz plötzlich wie ein Hammerschlag getroffen und jede durchgemachte Nacht mit am nächsten Tag einfach arbeiten ist nichts dagegen.

Worauf ich gut hätte verzichten können: Nachfragen, wie es mir denn geht. Nicht alle, aber viele davon, denn wenn man sagt „Müde.“, kam von den meisten Leuten „Ach, ich bin gerade auch so müde!“ und dann eine ewige Geschichte darüber, dass die Leute gerade auch kaputt sind. Sagt man „Mir ist schlecht.“ war dem gegenüber auch schlecht oder, was mir noch besser gefiel, war man auf meine Übelkeit neidisch, weil die Personen gerade auch gerne mal weniger Essen würden, um Gewicht zu verlieren. Schwangere fragen, wie es ihnen geht, um dann eigentlich nur selber zu jammern, ist keine gute Idee. (generell sollte man Leute, denen es schlecht geht, nicht in solche Gespräche verwickeln, schließlich ist das kein Wettbewerb)
Mein persönliches Highlight ist übrigens bis heute noch, wenn mich Personen, die ich kaum kenne, fragen, ob meine Schwangerschaft geplant war. Zum einen entsetzt mich immer wieder die Dreistigkeit der Frage. Mit 30 Jahren halte ich es als Frau eigentlich nicht für einen ungewöhnlichen Zeitpunkt seine Familienplanung anzugehen. Zudem habe ich es ja geschafft, bis zu diesem Punkt nicht schwanger zu werden und ich gehe mal davon aus, dass ich auch nicht schwanger geworden wäre, wenn ich meine Spirale nicht hätte raus nehmen lassen. Neben dem leichten Mitschwingen der Frage, ob wir also zu doof zum verhüten waren, falle ich immer aus allen Wolken, wenn mir eine fremde Person die Frage stellt und darauf eine Antwort erwartet. Generell ist das eine Sache, die einen schlicht nichts angeht.

Und auch ohne all das wäre das erste Trimester beschissen genug, denn es ist eben die unsicherste Zeit der Schwangerschaft, wo die Chancen das Kind zu verlieren eben am größten sind. Schon allein deshalb hat man als Frau dort immer ein komisches Gefühl. Trotzdem würde ich sagen, dass ich zumindest in diesem Punkt relativ entspannt war, selbst nachdem wir mit einer Mini-Zwischenblutung von drei Tropfen Blut doch lieber im Krankenhaus waren (wo natürlich nichts los war, das kann halt einfach mal sein), denn auch wenn es mir nicht gut ging, machte unser Baby immer einen ganz zufriedenen Eindruck.

Was wir uns in dieser Zeit gegönnt haben: Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen bei den Vorsorgeterminen. Einmal, weil es beruhigend ist, aber vor allem weil sich ja gerade am Anfang in so kurzer Zeit so viel tut. Während unser Baby am Anfang noch bloß wie eine Murmel auf dem Ultraschall aussah (weswegen es von uns auch den Spitznamen Murmel bekommen hat), sah man beim nächsten Mal schon den Herzschlag, beim Ultraschall danach wackelte es schon hin und her und sah danach immer weniger wie ein Alien aus. Gerade im ersten Trimester, wo man sein Kind noch nicht spürt, war es gut zu sehen, dass es ihm gut geht und munter ist.

Was hat mir durch das erste Trimester geholfen hat war Netflix und YouTube suchten. Was anderes ging auch eigentlich nicht. Und mittendrin einschlafen. Natürlich habe auch ich alles mögliche gelesen, was in der Schwangerschaft gegen Übelkeit helfen soll, aber das meiste funktioniert eben doch nicht, wenn es einem schlecht geht. Hier habe ich meine Lebensretter des ersten Trimesters zusammengestellt.

1. Trimester Essentials

1. Trimester Essentials

  1. Kakao
    Bevor ich mich morgens überhaupt irgendwie bewegen konnte, brachte mein Freund mir immer gleich einen Kakao ans Bett, um den Kreislaus etwas anzukurbeln. Ohne den hatte ich relativ lange morgens schnell Kreislaufbeschwerden und die Übelkeit wurde noch viel heftiger.
  2. Weiche Still-BHs
    Das erste, was ich gekauft habe, als die Sport-BHs nicht mehr reichten. 24 Stunden BH tragen war leider gerade im ersten Trimester aufgrund der schmerzenden Brüste gar nicht weg zu denken.
  3. Ginger Ale
    Hat mir in den nicht ganz so heftigen Phasen der Übelkeit tatsächlich etwas geholfen. Später ging dann höchstens noch Wasser mit einem Spritzer Zitrone, bis selbst das zu viel war.
  4. Zwieback
    Das und Toastbrot lagen immer an meinem Bett. Denn trotz der heftigen Übelkeit wacht man mitten in der Nacht mit knurrendem Magen auf, obwohl man keinen Hunger hat. Eine Zeit war das neben Äpfeln mein Hauptnahrungsmittel.
  5. Äpfel
    Seit jeher sind Äpfel mein magisches Übelkeitslebensmittel. Schon nach durchzechten Partynächten hat mich ein kalter Apfel das ein oder andere Mal vor dem Erbrechen gerettet und sind oft auch das einzige, worauf ich bei Übelkeit trotzdem Hunger hab. Generell hatte ich im ersten Trimester bei Hunger meist nur Lust auf Äpfel.
  6.  Wasserfilter
    Ich bin mit Wasser trinken ziemlich komisch, da mir viel Wasser nicht schmeckt und schlecht davon wird. Es gibt nur ein paar Sorten, die ich mag. Leitungswasser trinken kam also gar nicht in Frage. Deswegen bestellte ich mir einen Wasserfilter, da man in der Schwangerschaft ja generell viel Wasser trinken soll. Damit schmeckt’s mir tatsächlich, obwohl ich weiterhin kein Fan von Wasser bin.